Verärgert und verzweifelt…

Die Gremlins der Welt haben sich gegen mich verschworen. Alles, was ich neben dem Schreiben getan habe, scheint wie verhext. Mein Motorrad, das dringend zur TÜV-Nachprüfung muss, springt nicht mehr an, seit ich das Hinterrad herausgenommen und wieder eingesetzt habe. Es gibt keinen vernünftigen Grund, warum es das tun sollte. Meine Jüngste muss für ein paar Tage ins Krankenhaus für ein MRT, weil ihre Füße seltsam nach innen verdreht sind, und ich mache mir große Sorgen, dass es etwas Ernstes sein könnte. Tja, und dann ist da noch der Ärger mit dem USA-Flug meine mittleren Tochter in ein paar Wochen:

Wut kochte in ihrer Brust, heißer als die Hitzewelle draußen. Tausend Dollar? Wo sollte sie die hernehmen, ohne zu stehlen? Als sie im Januar den Flug gebucht hatte, war sie davon ausgegangen, dass die vorgeschriebene Begleitung für minderjährige Kinder mitgebucht worden sei, doch irgendetwas war schief gelaufen. Jetzt sollte sie eine Umbuchung vornehmen, die den Kauf eines neuen Tickets nötig machte – drei Wochen vor der Reise. Ein Albtraum!
Wie sollte sie das ihrer Tochter erklären? Da war die Enttäuschung doch vorprogrammiert. Ihr war übel und ihr Herz hämmerte wie eine Dampfmaschine. Gleichzeitig schürte sich ihre Kehle zu und ihr Blick verschwamm.
Sie hatte versucht, das Reisebüro anzurufen, aber die hielten sie seit 15 Minuten in einer Warteschleife mit Musik. Niemand hielt sich wohl für zuständig ihren Anruf anzunehmen und ihr zu helfen. Sie wurde immer genervter. Es würde sie alle Kraft kosten, denjenigen nicht anzuschreiben, der letztendlich am anderen Ende sein würde – falls das überhaupt passieren sollte. Sie knirschte mit den Zähnen und versuchte, das unausstehlich fröhliche Lied zu ignorieren, das aus dem Lautsprecher ihres Telefons klang.
Endlich! Eine Stimme … ein junger Mann, an dem ihre Wut abperlte wie Wasser von einer Ente.
“Natürlich haben sie die eMail bezüglich der Reisebegleitung beantwortet. Lassen sie mich eben nachsehen, was da passiert sein könnte … bitte bleiben Sie am Apparat.”
Etwas beruhigt durchsuchte sie ihre Outbox. Da – das war die besagte eMail. Wieso hatte sie die vergessen können? Hieß das, dass jetzt alles in Ordnung war? Die eMail, die sie im Januar fristgerecht beantwortet hatte, sagte etwas von einer Bearbeitungsgebühr, die zu zahlen sei. Eine schnelle Überprüfung ihrer Kontoauszüge ergab keine passende Abbuchung. Hatte das Reisebüro auf ihre eMail im Januar überhaupt geantwortet? Sie konnte sich nicht erinnern. Das müsste sie den netten Telefonberater fragen, wenn er an den Apparat zurückkam … tut tut tut – die Verbindung brach ab.
NEIN! NICHT JETZT!
Zitternd vor Wut wählte sie erneut die Nummer des Reisebüros. Nachdem sie sich noch einmal durch das sprachgesteuerte Menü gehangelt hatte, sagte die künstliche Stimme, “Ihre Wartezeit beträgt zehn Minuten.”
Da sie bereits über eine Stunde in der Leitung gehangen hatte, wurde ihre Nerven immer, immer dünner. Sie schloss die Augen und atmete tief durch, während der Telefonhörer “summer feelings” quäkte.
Sie musste etwas TUN oder sie würde durchdrehen. Nochmal zehn Minuten erzwungener Untätigkeit und sie würde die Wände hochgehen.
Also öffnete sie ihre Textverarbeitung und begann zu schreiben.
Die Wut ließ ganz langsam nach …
Das Lied in der Endlosschleife wurde erträglich.
Fünfzehn Minuten und noch nichts.
Sie atmete ruhig und versuchte, nicht an die vielen Dinge zu denken, die sie eigentlich noch erledigen müsste. Das half – ein wenig.
Zwanzig Minuten …
Mist, sie hatte ihren eReader auf dem Dachboden liegen lassen. Ob sie schnell nach oben renne konnte? Nein, lieber nicht. Es war sicher jeden Moment soweit.
Hoffentlich.
Fünfunddreißig Minuten – wenigstens war ihr Mann so lieb gewesen, ihren eReader zu holen. Warten war langweilig, aber das Lesen beruhige wenigstens ihre Nerven.
Dreiundvierzig Minuten – ein neuer Telefonberater.
Sie seufzte und wiederholte ihr Problem. Diesmal stellte sie aber sicher, dass ihre Telefonnummer zu den Akten genommen wurde, damit sie jemand zurückrufen konnte, falls die Verbindung erneut abbrechen sollte. Noch mehr Wartezeit, während sich der Telefonberater über die Situation informierte, dann die Bestätigung, dass sie alles richtig gemacht hatte. Trotzdem war das Problem damit nicht aus der Welt. Irgendjemand höher auf der Karriereleiter musste sich zurückmelden, um zu klären, warum sie weder eine Bestätigung der Reisebegleitung noch eine Rechnung erhalten hatte. Aber fürs Erste sah es so aus, als würde sich doch noch alles rechtzeitig organisieren lassen. Ihr wurde versprochen, dass man sie morgen zurückrufen würde.

Info-Update – Ich bin noch nicht zurückgerufen worden. Eine eMail habe ich auch noch nicht erhalten. In diesem Moment, hänge ich schon wieder in der Warteschleife. Diesmal ohne Ansage der voraussichtlichen Wartezeit.

zweites Info-Update – Alles geklärt. Der Fehler lag bei American Airlines – sie haben uns nicht Bescheid gegeben, dass die gebuchte Kombination in ihrem System nicht durchführbar war. Na, wenigstens haben sie die horrenden Strafgebühren fallen lassen, und eine Beschwerde seitens des Reisebüros bekommen sie auch. Die Gebühr, die wir noch zahlen müssen, ist jetzt ca. 200 € höher als sie im Januar gewesen wäre, aber meine Tochter kann wie geplant fliegen. Dann werden wir eben in den nächsten Wochen den Gürtel etwas enger schnallen – oder ihr kauft mehr Bücher 😀

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