zwei Tage alt
zwei Tage alt

Ich wurde am 2. August in Paderborn geboren, einem warmen Freitagvormittag des Jahres 1968. Meine Mutter träumte von Bratwurst und Rieseneis. Stattdessen verursachte ich ihr mehr als 8 Stunden Schmerz, um mich in die Welt zu quetschen. Obwohl es für meine Mutter ziemlich anstrengend war, war es ein Glück für meinen Bruder. Er wurde nur elf Monate später geboren, die Nabelschnur dreimal um die Kehle und dreimal um den Bauch geschlungen. Wäre ich nicht so ein schwerer Brocken gewesen, wäre er an Luftmangel gestorben. So wie es war, brauchte er nicht viel mehr als eine halbe Stunde, um auf die Welt zu kommen. Wenn man also den Durchschnitt der beiden Geburten betrachtet, war es gar nicht so schlecht für meine Mutter.

mit Gips
mit Gips

Ich war ein dunkles Baby mit tiefschwarzen Haaren, die in den folgenden Jahren zu einem dunklen Braun mit rötlichen Strähnen im Sommer ausblichen.

Grade als ich Laufen lernen wollte, entdeckten die Doktoren ein Problem mit meiner Hüfte. Ich weinte, als sie die Hüfte eingipsten. Aber mehrere Monat später, als sie den Gips wieder abnahmen, weinte ich ebenfalls. Ich hatte mich so an das „alte“ Ding gewöhnt. Das war das erste Mal, dass mein Vater sagte, ich sei so stur wie ein Maultier. Es war nicht das letzte Mal.

Forsthaus Wesloe
Forsthaus Wesloe

Da mein Vater Förster war, lebten wir in den Nähe von Lübeck im kleinen Forsthaus Wesloe. Meine Mutter blieb zu Hause, versorgte uns, half Vater bei der Büroarbeit und war das Herz und die Seele unserer Familie. Für mich und meine beiden Brüder war es eine Zeit von Abenteuer, Zauberei und Spaß. Wir sonnenbadeten nackt im Schnee, spielten glücklich im Schlamm, besuchten die Waldarbeiter auf der anderen Straßenseite und lernten Plattdeutsch verstehen und sprechen.

beim Toben
beim Toben

Als ich fünf wurde (meine Brüder waren vier und zwei), bewarb sich mein Vater in einer anderen Stadt und bekam die Stelle. Während des Umzugs „parkten“ uns meine Eltern bei einer Tante. Direkt neben meinem Bett stand eine Lampe mit freiliegendem Kabel. Meine Tante sagte uns, wir sollten das Kabel nicht anfassen, da dort gefährlicher Strom fließen würde. Neugierig wie wir waren, besorgten wir uns eine Schere, schalteten das Licht an und schlitzten das Kabel auf, um uns das genauer anzusehen. Meine Tante bemerkte es gerade noch rechtzeitig…

Forsthaus Uelzen
Forsthaus Uelzen

Unser neues Zuhause stand mitten im Stadtwald von Uelzen in der Lüneburger Heide. Uns umgaben Bäume und ein paar Felder. Wir gingen auf Entdeckungsreisen, fanden neue Freunde und vermißten unser altes Zuhause kein bißchen. Jeden Abend sangen uns unsere Eltern je ein Lied vor (= drei verschiede) und lasen eine Geschichte. Am meisten liebten wir die Bücher von Astrid Lindgren. Nur „Die Kinder von Bullabü“ mochten wir nicht. Ihre Abenteuer kamen uns langweilig vor, verglichen mit unseren eigenen.

Als ich mit nicht ganz sechs Jahren zur Schule kam, wartete ein neues Universum auf mich: Bücher. Ich konnte kaum lesen, da verließ ein Teil von mir für immer die Realität. Ich träumte davon Autorin zu werden, und obwohl es Zeiten gab, in denen ich diesem Traum nicht näher kam, arbeite ich immer daran.

meine Familie
meine Familie

Als ich sieben war, wurde mein jüngster Bruder geboren, der von uns enthusiastisch empfangen wurde. Nun stand es endlich zwei gegen zwei und das Kräfteverhältnis zwischen uns Geschwistern war mehr oder weniger ausgeglichen. Etwa in dieser Zeit beschloß ich, entweder Försterin oder Hebamme zu werden. Diese Kombination ist nicht so merkwürdig wie sie einem auf den ersten Blick vorkommen mag. Beide Jobs haben etwas mit dem Wunder des Lebens zu tun, die allerschönste Form der Biologie.

Freund
mein Freund und ich

Ich machte mich mit voller Schwung an diese Aufgabe und trotz einiger Umwege bekam ich im Abitur einen ganz passablen Notendurchschnitt. Die größte Hilfe war dabei mein erster Freund, der später (ebenfalls nach einigen Umwegen) mein Ehemann werden sollte. Ich bewarb mich zeitgleich für meine beiden Traumjobs. Die Hebammenschulen lehnten meine Bewerbungen schnell ab.

Da ich nicht auf die Antwort der Universitäten warten wollte, begann ich in Munster eine Lehre als Landschaftsgärtnerin. Während der Mittagspausen entstand mein allererster Roman (Die singenden Berge). Von Zeit zu Zeit lese ich ihn, um mich daran zu erinnern, wie ich einen Roman nicht schreiben sollte. Trotzdem war es eine gute Erfahrung etwas mit mehr als zehn Seiten zu schreiben.

meine Kollegen
meine Kollegen

Ich bedauerte die Ausbildung nie und ich erinnere mich gerne daran. Ich vermisse meine Kollegen oft, aber ich weiß, daß ich einer so anstrengenden Arbeit auf die Dauer nicht gewachsen gewesen wäre. Also studierte ich nach der Lehre Forstwissenschaft an der Universität Göttingen. Nach dem Vordiplom schrieb ich mich für ein Jahr an der Universität Edinburgh ein. Als ich zurückkehrte, war ich vom Studieren so genervt, daß ich mein Diplom im Eiltempo ablegte.

Überraschenderweise bekam ich fast sofort eine Stelle. Für drei Jahre arbeitete ich in Bayreuth an einer Waldwachstumssimulation mit. Da ich an den Abenden sehr einsam war (mein Freund wohnte etwa 500 km nördlich), fing ich endlich wieder an längere Texte zu schreiben. Ich las viele „Creative Writing“ Bücher und lernte. Ich behaupte nicht jetzt perfekt zu sein, aber ich verbesserte mich merklich während dieser Zeit.

Im vierten Jahr zog ich zurück in den Norden zu meinem Freund (ja, immer noch derselbe) und schrieb meine Dissertation. Jedes Mal wenn mein Kopf von allen den Nummern und Statistiken meiner Arbeit schwirrte, schrieb ich an meinem historischen Roman, „Engels Freiheit“. Ich bekam meinen Doktortitel (ohne abzuschreiben!) und beendete den ersten Entwurf des Romans etwa gleichzeitig. Ich hätte weiter in Bayreuth bleiben können, aber die große Entfernung zu meinem Freund schreckte mich und ich entschied mich dagegen.

Hochzeit
Hochzeit 1997

Ende gut, alles gut (oder besser Anfang gut?) Mein Freund und ich heirateten am heißesten Tag des Jahres 1997. Ich trug ein selbstgenähtes Kleid, dessen Schnittmuster ich auf einer USA-Reise gekauft hatte. Es war das einzige Mal in meinem Leben, daß sich Leute bewundernd zu mir umdrehten.

Als unsere erste Tochter geboren wurde, veränderte sie unser Leben radikal. Ich arbeitete weniger und schrieb mehr. Aber die meiste Zeit verbrachte ich mit unserem Kind. Ich bin sicher, daß alle Eltern dieser Welt wissen, wovon ich rede. Wir kauften uns ein kleines Haus, das wir seither renovieren und umgestalten. Mit zwei weiteren Kindern ist unser Leben jetzt ziemlich turbulent, aber ich hörte nie wieder auf zu schreiben. Mehr und mehr, wurde das Schreiben neben meiner Familie zum wichtigsten Bestandteil meines Lebens.

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