#Halloween #kostenlose #Geschichten
Storytime Bloghop 2020

Nichts ist erschreckender als die Ereignisse dieses Jahres, und es gibt nichts, was wir dagegen tun können, außer uns und die Leute um uns herum so gut es geht zu schützen. Aber vielleicht finden wir ein wenig Abwechslung in den coolen Mini-Geschichten, in denen der Grusel wohlige Schauer oder ein Schmunzeln auslöst und 100% Nicht-2020-realistisch ist. Also sind hier ohne Umschweife meine Geschichte und die der anderen 10 Teilnehmer*innen des 2020 Halloween Bloghops.

Wenn ihr gut Englisch könnt und Hörbücher mögt, findet ihr viele der Bloghop Geschichten(einschließlich meiner) in in den beiden letzten Episoden des Podcasts „Alone in a Room With Invisible People“ (dessen Halloween-Geschichten-Episoden ich nur wärmstens empfehlen kann; alle anderen Forlgen sind nur was für Autor*innen oder solche, die uns verstehen lernen wollen). Genießt die Jahreszeit (und meine geschichte) und – wie immer – denkt dran, die anderen Teilnehmer zu besuchen (die Liste ist ganz unten; alle anderen Geschichten sind nur auf Englisch verfügbar).

 

 

Die Hexe am Ende der Straße

Für mich ist Halloween ein Albtraum. Mom drängt mich immer engverbundenen Gruppen von Freunden auf, die mich nicht um sich haben wollen. Ich hasse es, so zu tun, als hätte ich Spaß daran Süßigkeiten zu erbetteln. Doch dieses Jahr ist es besonders schlimm. Sie schubst mich auf die Gruppe Jungs aus meiner Schule zu, die sich gegen mich verschworen haben. Meine Arme, Beine und der Rücken schmerzen noch immer von der Prügel, die sie mir verpasst hat, als ich darum bat dieses Jahr daheim bleiben zu dürfen.

Zu meiner Überraschung geht die Trick-oder-Streiche Aktion zunächst friedlich los, auch wenn die gelegentlichen Knüffe der anderen weh tun. Doch dann erzählt uns Gordon von der Hexe am Ende der Straße.

“Sie verwandelt Süßigkeiten in Steine.” Er grinst mich diabolisch an und ich zittere vor Angst. Nicht wegen der Hexe – wir würden dort nicht hingehen, wenn es sie geben würde – sondern wegen des Versprechens, mir meine Süßigkeiten wegzunehmen, das ich in seinen Augen lesen konnte. Je näher wir dem Haus der Hexe kamen, desto schneller schlug mein Herz. Es fiel mir schwer, mit den anderen zu singen, aber meine schmerzenden Körperteile erinnerten mich an Moms Wut und so machte ich weiter.

“Du zuerst!” Gordon schubst mich die Stufen hoch. Auf der Veranda stehen ein paar Topfpflanzen, neben denen eine schwarze Katze mit weißen Pfoten sitzt. Ich mache mir fast in die Hose. Das wars! Jetzt verliere ich meine Süßigkeiten, und Mom wird mich totschlagen. Ich suche vergeblich nach einer Lösung, währen ich mit zitternden Fingern an der Tür klingle.

Eine steinalte Frau öffnet die Tür. Sie wirkt älter als jede andere Frau, die ich in meinem Leben gesehen habe.

“Da seid ihr ja!” Ihre Stimme ist überraschend freundlich. “Ich habe schon auf euch gewartet, Faulpelze.”

Ich fange an zu singen, höre aber sofort wieder auf, als ich merke, dass die anderen nicht mitsingen. Als ich mich umsehe, starren die Jungs die Frau an, reglos und mit offenen Mündern.

“Aha. Nicht verzaubert?” Sie zwinkert mir zu. “Also bist du eine von uns, was? Interessant.” Sie wendet sich den anderen zu und tippt Gordon auf die Stirn. “Du wirst aufhören, anderen Leuten wehzutun. Du findest dein Glück in den Wäldern.”

Er marschiert mit glasigem Blick davon. Die Hexe tippt jeden einzelnen Jungen an und befiehlt ihm etwas. Schweigend marschieren sie einer nach dem anderen davon. Also gibt es doch Hexen. Ich bin fasziniert.

Als sie sich zu mir umdreht, schießt mir die Angst eiskalt durch die Adern. Obwohl ich fort rennen will, bewegen sich meine Beine nicht. Mein Herzschlag übertönt alle Geräusche außer meines Herzschlags und ihren Worten.

“Für dich brauche ich etwas ganz besonderes.” Sie umschließt mein Gesicht mit beiden Händen. Kaum lauter als ein Flüstern entweicht mir ein Schrei. Sie lächelt und ihre Augen sind voll Mitgefühl. “Ich wiß, Liebes. Sei stark. Es ist ruckzuck vorbei.” Sie küsst meine Stirn und mir wird warm.

Dann stehe ich in Moms Küche, die Arme schützend über den Kopf gelegt. Alles tut weh. Steine haben sich aus dem Plastikkürbis über den Tisch verteilt. Meine Arme sind mit frischen blauen Flecken übersät, und Mom hebt schon wieder den schweren Holzlöffel.

Die Hexe packt ihr Handgelenk.

Blaues Licht leuchtet zwischen ihnen auf.

Ich kann kaum atmen.

Die Hexe verändert sich, wird Mom immer ähnlicher, während Mom immer älter und zerbrechlicher wird. Schließlich verschwindet sie.
“Endlich!” Die Hexen-Mom reicht mir einen Beutel mit Süßigkeiten. “Zeit für einen Neuanfang für uns alle beide, oder?”

 
 

Wenn euch die Geschichte gefallen hat, oder ihr sonst etwas auf dem Herzen habt, lasst mir einen Kommentar da. Ich antworte, so schnell ich kann. In der Zwischenzeit lest ruhig die Geschichten der anderen (nur auf Englisch):

Unwelcomed Visitors by Bill Bush
Unraveled by Bonnie Burns
Holiday Guest by Sabrina Rosen
Home by Barbara Lund
Missing Parts by Jemma Weir
A Perfect Match by V. S. Stark
The Glistening Bat by Karen Lynn
II-The Priestess by Raven O’Fiernan
The Old Ways by Nic Steven
Halloween Pest by Elizabeth McCleary

 

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